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Stuhlgang: Was ist normal?

Farbe, Konsistenz, Geruch – was wir auf der Toilette produzieren, kann sehr unterschiedlich aussehen und riechen, und weist in manchen Fällen auf Krankheiten hin
von Christian Andrae, 03.03.2017

Auf der Toilette erfahren Sie einiges über Ihre Gesundheit

Getty Images/Amana Images

Das mag jetzt vielleicht irritieren. Aber haben Sie sich schon mal Ihre Ausscheidungen genauer angesehen? Eine nähere Betrachtung lohnt sich auf jeden Fall. Daran ist überhaupt nichts anrüchig. Denn der Stuhl kann viel über die Gesundheit verraten.

Im Folgenden erfahren Sie, was alles als normal gilt und wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten. Als Experte stand uns Professor Christian Trautwein zur Seite. Er ist Gastroenterologe und lehrt an der Universität Aachen.

Von Natur aus große Spannbreite

Wurstformig, klumpig, weich oder fest? Alle drei Tage oder dreimal am Tag?
Das Spektrum dessen, was als normaler Stuhlgang gilt, ist relativ groß. Auch wenn sich mit der Zeit eine gewisse Regelmäßigkeit eingestellt hat, kann und darf es Abweichungen geben. "Die Verdauung ist ein Biosystem und nicht ein Zug, der nach Fahrplan kommt", sagt Experte Trautwein. Sollte der Stuhlgang einen Tag ausbleiben oder, im Gegenteil, mehrmals täglich stattfinden, ist das zunächst kein Grund zur Sorge.

Auch Farbe, Konsistenz und Geruch können mal von der Norm – ein "aromatischer" brauner, geschmeidiger und dennoch geformter Stuhl – abweichen. Hält dies jedoch mehr als drei Tage an, sollten Sie zur Sicherheit einen Arzt aufsuchen. Bei Blut an Stuhl, Toilette oder Papier jedoch sofort – das ist immer ein Alarmzeichen.

Konsistenz

Zu diesem Thema gibt es eine Maßeinteilung. Die Bristol-Stuhlformen-Skala unterscheidet sieben Typen:

  • Typ 1+2: Schwer auszuscheidende Kügelchen (1) oder klumpige Würstchen (2): Vielleicht fehlen Flüssigkeit und unlösliche Ballaststoffe (Getreide, Hülsenfrüchte)?
  • Typ 3+4: Wurstförmig mit Rissen (3) oder wurstförmig und glatt (4): alles bestens.
  • Typ 5: Nicht zusammenhängende Klümpchen: völlig in Ordnung, wenn
  • man öfter am Tag muss.
  • Typ 6+7: Breiig, ungeformt (6) bis völlig flüssig (7): Durchfall. Ihr Körper verliert viel Wasser. Trinken Sie ausreichend. Hält der Durchfall länger als drei Tage an oder ist sehr ausgeprägt, gehen Sie zum Arzt.

Zum Arzt sollten auch Menschen gehen, bei denen der Stuhl regelmäßig dünn, lang oder bandnudelartig ist. Hier kann es sein, dass die Ausscheidungen durch Polypen, Verwachsungen oder aufgrund eines Tumors im Darm zu wenig Platz haben. Das sollte untersucht werden.

Geruch

Selbst ein "gesunder" Stuhl riecht natürlich nicht angenehm. Auf eine ganz
eigene Art – und je nachdem, was man gegessen hat – eben "aromatisch",
aber nicht schlimm. Sollte Ihr Stuhl tatsächlich über Tage hinweg richtig
übel, faulig oder beißend riechen, kann das ein Indiz für eine Erkrankung
sein, zum Beispiel eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, eine Glutenunverträglichkeit oder Morbus Crohn (eine chronische Erkrankung des Darms). Ignorieren Sie solch unangenehmen Geruch nicht. Gehen Sie zum Arzt.

Farbe

Von wegen nur braun. Stuhl kann eine ganze Palette an Farben annehmen.
Und vorweg: Die meisten vorübergehenden Veränderungen der Stuhlfarbe
lassen sich auf die Nahrung zurückführen.

  • Braun: Alles gut. Die braune Farbe entsteht nicht, weil am Ende alle Lebensmittel gemischt herauskommen, sondern durch Verdauungssäfte wie Gallenflüssigkeit.
  • Schwarzbraun: Nicht gut. Die Farbe kann ein Hinweis auf Blutungen im oberen Magen-Darm-Trakt sein. Das muss ein Arzt klären. Allerdings kann die dunkle Farbe auch durch Medikamente (etwa Eisen- und Kohlepräparate) entstehen. Dann gibt es keinen Grund zur Sorge.
  • Grün: Kann vorkommen. Hin und wieder. Vor allem durch viel grünes Gemüse. Geht grüner Stuhl mit Durchfall einher, ist das ein Indiz für eine Darminfektion.
  • Rot: Rote Bete oder etwas mit Lebensmittelfarbe gegessen? Dann ist alles gut. Bei Blut jedoch nicht. Sofort zum Arzt!
  • Orange: Karotten oder Kürbis gegessen?
  • Gelb: Auch eine Gelbfärbung kann durch Lebensmittel verursacht werden – und durch Antibiotika. Ist der Stuhl aber zudem schmierig, glänzend und stinkt, handelt es sich um einen sogenannten Fettstuhl. Er kann auf Probleme mit der Bauchspeicheldrüse, eine Glutenunverträglichkeit oder Gallensteine hinweisen.
  • Weiß: Nicht gut. Und das Gegenteil von braunem Stuhl: Es fehlen die Verdauungssäfte. Vielleicht gibt es Probleme mit der Galle. Suchen Sie einen Arzt auf!

Professor Christian Trautwein

W&B/Malwine Schomburg

Beratender Experte: Professor Christian Trautwein ist Gastroenterologe an der Universitätsklinik Aachen



Bildnachweis: W&B/Malwine Schomburg, Getty Images/Amana Images

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